Die Anfänge: 1970-1972

Vereine richten ihr Gründungsjahr nach dem ältesten erhaltenen Dokument aus - einem Protokoll, einer Vereinsfahne, einem Liederbuch oder ähnlichem. Im Fall des Judo-Clubs ist dieses Dokument eine schriftliche Anfrage von Christa Gran, erste Trainerin des Vereins und heute dessen Ehrenmitglied, vom 2. Oktober 1970.

In dem an die Firma Sport-Rhode gerichteten Schreiben erkundigt sie sich nach den Preisen für eine Judo-Matte. Außerdem bestellt sie gleich noch einige Judo-Anzüge, da, wie sie erklärt, "in Kürze ein Judo-Kurs geplant ist".

Wie kam dieser erste Judo-Kurs in der Gemeinde, der ursprünglich nur eine Dauer von drei Monaten haben sollte, zustande?

Initiatoren waren rund 20 junge Leute aus Efringen-Kirchen, die sich im Mai 1970 zu einer festen Gruppe zusammengeschlossen hatten. Die ideenreichen Teens und Twens gaben sich den Namen “Jugendorganisation Efringen-Kirchen” und setzten sich zum Ziel, die Dorfjugend aus einer festgestellten Passivität herauszulocken. Discobesuche, sich vom Fernseher oder Radio berieseln lassen oder die altbekannten, nicht gerade vielseitigen Vereinsangebote wahrnehmen - zu all dem wollte die Jugendorganisation Alternativen bilden. Diese Bemühungen gipfelten schließlich in einer Plakataktion, die im Dorf für einiges Aufsehen sorgte: “Die Jugend probt den Aufstand” war da an Zäunen, Bäumen und Masten zu lesen. Freilich, so rebellisch wie dieser provokative Slogan zunächst vermuten ließe, waren die jungen Leute nicht gesinnt. Auf ihrem Programm standen Diskussionsabende, Musik- und Tanzveranstaltungen, die Gründung einer Theatergruppe und eben ein Judo-Kurs, der vor allem als Altervative zum Fußball gedacht war.

Die Sprecher dieser Gruppe, zu der auch der spätere, langjährige Vorsitzende Rudi Schmidt gehörte, waren Siegfried und Manfred Herr, Werner Slabi und Markus Löffler. Werner Slabi hatte eine Arbeitskollegin - eben Christa Gran aus Freiburg - , die Kenntnisse im Judo besaß und auch bereit war, einen Kurs abzuhalten. Doch wo sollte dieser stattfinden? Der bisherige Treffpunkt der Gruppe im Pfarrhaus - die jungen Leute wurden von Pfarrer Mathias Rometsch in ihrem Anliegen unterstützt - erwies sich als viel zu klein. Bei einem Gesprächsabend, zu dem die Jugendorganisation in die Aula der Schule eingeladen hatte, bot dann Bürgermeister Mutschler seine Hilfe an. Er stellte die Aula als Trainingsraum zur Verfügung und sorgte auch für finanzielle Starthilfe bei der Anschaffung einer eigenen Judo-Matte. Diese traf dann im Februar 1971 ein. Dabei handelte es sich um eine 5 mal 5 Meter große Mattenfläche, über die ein grünes Segeltuch gespannt werden mußte. Der Preis: Stattliche 1620 Mark. Heute trainieren wir - wenn es der Trainingsraum zulässt - auf 300 (dicht besiedelten) Quadratmetern.

Der Anfang war damit gemacht: Eine eigene Matte war Voraussetzung dafür, daß Judo sich als dauerhaftes Sportangebot in der Gemeinde etablieren konnte.

Am 6. April 1971 konnte so der zweite Judo-Kurs ausgeschrieben werden. Und bereits im Dezember 1971 wurde die erste Gürtelprüfung abgenommen. 24 Prüflinge im Alter von 7 bis 35 Jahren stellten sich dem Prüfer Freddy Herz aus Umkirch, der zum langjährigen Wegbegleiter des Vereins wurde.

Trainerin Christa Gran hatte inzwischen ihren Lebensgefährten Falko Stiller, ebenfalls aus Freiburg, für das Projekt “Aufbau eines Judo-Clubs in Efringen-Kirchen” gewinnen können. Falko wurde engagierter Trainer und auch in vielen anderen Belangen ein Motor des Vereines.

Im Juli 1972 waren die Judokas längst keine lose Gruppe von Kursteilnehmern mehr, sondern eine feste und eingeschworene Gemeinschaft. Um eine bleibende “Heimat” zu haben, schloß man sich dem TuS Efringen-Kirchen an, als dessen Abteilung man fortan fungierte.

1972 traten die Mattensportler auch erstmals mit einer Vorführung an die Öffentlichkeit: Sie waren bei der Jahresfeier des TuS, damals ebenfalls in der Aula abgehalten, mit von der Partie. 1972 war es auch, als der erste Informationsabend für Eltern und alle sonstigen Interessierten abgehalten wurde. Auch die erste noch vorhandene Stärkemeldung stammt aus diesem Jahr. Falko Stiller meldete damals dem Badischen Judo-Verband 25 Aktive. Daß er dabei die Größe der damals noch keine Teilorte umfassenden Gemeinde reichlich überschätzte, zeigt die angegebene Einwohnerzahl: in der entsprechenden Rubrik trug Falko die Zahl 10.000 ein.

Erster Abteilungs- bzw. Gruppenleiter war Kurt Kramer aus Weil am Rhein. 1972 übernahm Falko Stiller selbst kurzfristig die Leitung der Abteilung. Erste Kassiererin der Abteilung war Elly Makrutzki, während Rita Dörflinger und Gisela Huber gemeinsam als Schriftführerinnen fungierten. Erste offizielle Jugendtrainer neben Falko Stiller und Christa Gran waren Gerhard Riesterer und Ottmar Wengert. Als Jugendleiter ist in der Stärkemeldung von 1972 Werner Mutterer vermerkt, der sich über Jahre in diesem Amt für den Verein engagierte.