Knapp an einer Medaille vorbei

Der Auftritt von Julien Morgenstern (-40), Ellen Gerspacher (-40) und Fabienne Läufer (-44) bei der offenen Baden-Württembergischen Einzelmeisterschaft in der Zwischenaltersklasse U13  am 9. April in Pforzheim zeigte, dass alle drei mit den Stärksten des Landes mithalten können. 

Das Turnier diente auch dazu, in die neue Altersklasse U15 hinein zu schnuppern. Mit etwas mehr Wettkampfglück wäre sogar eine Medaille drin gewesen. Dem Treppchen am nächsten kam Fabienne Läufer, in deren Gewichtsklasse zwölf Kämpferinnen am Start waren. Fabienne hatte in der ersten Runde ein Freilos und traf dann auf Zara Papdi (Kano Heidelberg), die mit wenig Technik, dafür aber mit umso mehr Energie und unkonventionellen „Schleuderversuchen“ zu Werke ging. Leider ließ sich Fabienne zu Beginn von einem der ungestümen Angriffe überraschen und geriet mit Waza-ari in Rückstand. Weil ihre Gegnerin sie auch noch in einen Haltegriff nehmen konnte, wurde es sehr eng für Fabienne, die es aber schaffte, sich über eine Beinklammer zu befreien – gerade noch rechtzeitig. Ihre Gegnerin erhielt für die Haltegriffzeit zu ihrem Waza-ari noch einen Yuko. Fabienne wurde jetzt immer stärker, kam besser in den Kampf hinein und zwang ihre Gegnerin immer wieder in die Bodenlage. Ein Übergang vom Stand in den Boden gelang Fabienne so gut, dass sie ihre Gegnerin in einen Mune-gatame nehmen und mit Ippon besiegen konnte. Damit stand sie nach einem schweren Stück Arbeit im Halbfinale, wo sie Viktoria Flemming (Sportschule Kustusch Stuttgart) einen großen Kampf lieferte. Nur die letzte Konsequenz beim Durchziehen der Wurfansätze fehlte Fabienne, um ins Finale einzuziehen. So nutzte ihre Gegnerin eine Unachtsamkeit zu einem Wurf, für den es Waza-ari gab. Fabienne begegnete der späteren Siegerin Flemming aber absolut auf Augenhöhe. Auch im kleinen Finale musste Fabienne leider einen Rückstand aufholen, was ihr trotz großen Kampfgeistes gegen  Marina Draganidis (Kustusch)  diesmal nicht gelang. So war Rang fünf der Lohn für eine starke Leistung.  

Während Fabienne immer eine gewisse Anlaufzeit benötigte, um in ihren Begegnungen „auf Touren“ zu kommen, war Ellen Gerspacher, die es mit 14 Gegnerinnen zu tun hatte, nach einem Freilos in Runde eins im zweiten Kampf gegen Carina Hartmann (Backnang) sofort im Geschehen und eher einen Tick zu offensiv. Ihre Gegnerin glänzte durch eine starke Kumi kata und einen kraftvollen Zug. Ellen ließ sich davon aber nicht beeindrucken und griff beherzt an. Leider gab sie dafür auch ihren sicheren Stand auf, so dass ihre Gegnerin sie einmal erwischte und mit Ippon warf. Bis dahin hatte Ellen deutlich mehr Ansätze und Aktionen als ihre Gegnerin gezeigt. Im Trostrundenkampf gegen Sanna Mayer (TSV Laichingen) dasselbe Bild: Ellen versuchte sofort, mit Eindrehern zum Erfolg zu kommen, ihre Gegnerin wich aus – und schaffte es, nach einem Übersteiger mit einem links angesetzten O-goshi zum Erfolg zu kommen. Grämen musste sich Ellen über den 7. Rang aber nicht, allerdings blieb die Erkenntnis, dass sie an ihrem Stand arbeiten muss.

Mit 21 Kämpfern war die Konkurrenz beim Julien Morgenstern (bis 40) am größten. Gleich im ersten Kampf erwischte er mit Erik Rempel (Nürtingen) einen der Favoriten. Julien hielt sich an die taktische Vorgabe, nicht ohne sicheren Griff mit beiden Händen anzugreifen und jegliche Rückenlage zu vermeiden. So tat sich sein Gegner, der Julien mit guter Kumi kata zwar nicht zur Entfaltung kommen ließ, aber auch selbst keine zählbaren Ansätze zustande brachte, zunächst schwer. Nur einmal gelang dem  Nürtinger mit einem Eindreher doch ein Waza-ari, woraufhin er sich nur noch darauf beschränkte,  diese Führung über die Zeit zu bringen. Julien versuchte alles, griff nun seinerseits an und zwang dem Gegner auch eine Passivitätsstrafe auf. Dass er kurz vor Schluss noch in einen zweiten Waza-ari hineinlief, weil er immer mehr Risiko ging, tat seiner starken Leistung keinen Abbruch. Sein Gegner kam am Ende auf Rang drei. Für Julien galt es danach, im ersten Trostrundenkampf genauso konzentriert und taktisch diszipliniert zu Werke zu gehen wie im Auftaktkampf. Und das setzte er  gegen Filippo Franceschetti (Sportschule West Stuttgart) dann auch toll um:  Nach etwas 30 Sekunden bot sich die Möglichkeit, mit Ashi-guruma einzudrehen, was Julien auch tat und voll durchzog. Für den Wurf gab es zwar „nur“ Waza-ari, Julien konnte jedoch gleich einen Haltegriff anschließen, aus dem er seinen Gegner nicht mehr entrinnen ließ. Im nächsten Kampf kam dann aber das Aus: Dem Haltinger Niclas Tootle lief Julien  gleich in den ersten Sekunden in einen Seoi-nage. Auch für ihn galt, dass er eine starke Leistung zeigte, dass aber Ansatzpunkte für weitere Verbesserungen, vor allem bei der Konzentration über einen längeren Zeitraum, aufgezeigt wurden. Deutlich wurde, dass vor allem die Judoka Erfolg hatten, die effektiv kämpften. Da können sich Julien, Ellen und Fabienne sicher noch verbessern, die für ihren enormen Aufwand nicht immer belohnt wurden.

Offene Baden-Württembergische Einzelmeisterschaft der U13 am 9.4. in Pforzheim:

5.Platz:   Fabienne Läufer (-44)

7.Plätze: Ellen Gerspacher (-40)

               Julien Morgenstern (-40)