Linus Hollnagel ist Baden-Württembergischer Meister!

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg!

 

Zwei starke Debütantinnen und einen in bestechender Form auftrumpfenden erfahrenen Kämpfer konnte der JC Efringen-Kirchen am Samstag, 29. April, bei der offenen Baden-Württembergischen Meisterschaft der Altersklasse U13 in Pforzheim ins Rennen schicken. Amelie Auer und Emma Gadesmann (beide bis 44 Kilo) stellten sich bei ihrem ersten größeren Turnier der Konkurrenz aus ganz Baden-Württemberg. Emma Gadesmann hatte gleich den ersten Kampf in der Gewichtsklasse gegen Leelou Teodorescu (TSV Laichingen) zu bestreiten, den sie sehr beherzt anging. Sie durchbrach den Rechtsgriff ihrer Gegnerin und setzte dann links zu O-goshi, beziehungsweise Ashi-guruma an. Jedoch gelang ihr trotz starker Ansätze keine Wertung. Immer wieder stiegen die Kontrahentinnen mehrmals nach vorne um mit dem Ziel, eine Eindrehtechnik anzubringen. Den Mut, auch einmal einen Konter nach hinten anzusetzen, wie es im Donnerstagstraining zuvor geübt wurde, hatte Emma noch nicht. „Ich hatte Bedenken, dass der Konter misslingt und ich dann im Haltegriff liege“, meinte sie nach dem starken Auftaktkampf, der leider verloren ging, weil ihre Gegnerin eine Technik durchbrachte. Es war zwar kein ansehnlicher Wurf, dennoch konnte man Waza-ari dafür geben, was der Kampfrichter auch tat. Somit musste Emma in die Trostrunde dieser mit 13 Kämpferinnen besetzten Gewichtsklasse.

Amelie Auer ging mit einer klaren Strategie in ihren ersten Kampf gegen Celine Tannenberger (Grenzach-Wyhlen) und setzte auf ihren Spezialwurf Ko-soto-gake (kleines äußeres Einhängen). Gleich der erste Ansatz war stark und brachte ihre Gegnerin ins Wanken - ein kurzes Nachhüpfen von Amelie und sie wäre wohl gefallen. So konnte die Grenzacherin aber gerade noch aussteigen und es entwickelte sich eine spannende Auseinandersetzung, in deren Verlauf Amelie aber nicht mehr eng genug an ihre Gegnerin herankam, um mit ihrem Einhänger durchzukommen. Am Ende setzte sich die größere Erfahrung ihrer Gegnerin durch, die eine unübersichtliche Situation beim Übergang vom Stand in den Boden nutzte, um Amelie umzudrücken und in Haltegriff zu nehmen. Damit ergab sich die etwas unglückliche Situation, dass Emma und Amelie in der Trostrunde aufeinandertrafen. Dem Kampf merkte man an, dass beide genau wussten, was die „Gegnerin“ im Repertoire hat, so dass sie sich zunächst belauerten. Am Ende setzte sich Emma mit einem O-goshi, für den es Ippon gab, durch. Im nächsten Kampf  um den Einzug ins kleine Finale traf Emma  auf Sophia Haas aus Nürtingen, die deutlich erfahrener war. Sie griff aber mutig mit links angesetzten Eindrehern an, wobei sie allerdings einmal in Rückenlage geriet. Dies nutzte ihre Gegnerin sofort mit Tani-otoshi aus, der das Kampfende und Rang sieben für Emma bedeutete. Sowohl Emma, als auch Amelie konnten mit ihrem ersten Auftritt bei einem großen Turnier aber zufrieden sein, denn sie zeigten keinerlei Respekt.  Es wurde deutlich, woran noch gearbeitet werden muss: So benötigt Amelie als Ergänzung zu ihren Fußtechniken unbedingt auch eine Eindrehtechnik, mit der sie angreifen kann. Dann wird sie richtig gefährlich. Wenn Emmas Stand noch sicherer wird und sie sich den Konter zutraut, dann ist sie zum einen dynamischer im Angriff und variabler bei der Reaktion auf einen Angriff.

Nach ihrem Ausscheiden feuerten die beiden Mädels Linus Hollnagel (-43) an, der es mit 13 außerordentlich starken Gegnern zu tun hatte, die er in der ersten Runde schon mal beobachten konnte, da er ein Freilos in Anspruch nehmen konnte. Gegen Nicolas Haan (TSG Backnang) zeigte Linus dann, dass das zusätzliche Training mit dem Kantonalkader Basel enorm viel bringt. Er griff mit seiner neuen Spezialtechnik Uchi-mata an und brachte seinen Gegner damit von Beginn an in Verlegenheit. Als auch der dritte Ansatz keine Wertung brachte, täuschte Linus einen Eindreher nur noch an, um mit einem aktiven Konter (Tani-otoshi) seinen Gegner nach hinten zu werfen, wofür es Waza-ari gab. Linus bewies damit eine tolle technische Flexibilität! Danach ließ er den Backnanger erst einmal kommen und konterte dessen Uchi-mata Ansatz mit einem Gegendreher (Uchi-mata-gaeshi). Diese Technik wird zwar nicht mehr bewertet, doch konnte Linus danach einen Tate-shiho-gatame ansetzen, aus dem sein physisch starker Gegner erst in letzter Sekunde die Befreiung schaffte. Damit hatte Linus einen zweiten Waza-ari, was seinen Gegner zu ungestümen Angriffen verleitete. Linus blieb aber ganz cool und warf den aggressiv anrennenden Gegner fulminant mit einem links angesetzten Harai-goshi, für den es Ippon gab. Nach diesem bärenstarken Auftritt war klar: Am heutigen Tag würde der Sieg nur über Linus führen! Im Halbfinale gegen Vincent Kiefner (TSG Reutlingen) machte Linus dann kurzen Prozess: Der erste Wurfansatz klappte zwar nicht, doch den Übergang vom Stand in den Boden nutzte er optimal aus, um erneut Tate-shiho-gatame anzusetzen. Diesmal ließ er seinen Gegner nicht mehr entrinnen, so dass er mit Ippon ins Finale einzog. Dort traf er auf den enorm starken Anton Popp (TSV Erbach), der bis dahin alle Gegner (auch den Badischen Meister Davyd Malyy vom BC Karlsruhe) mit Uchi-mata ausgeschaltet hatte. Linus schlug eine extrem offensive Taktik ein, indem er sofort seinerseits mit Uchi-mata angriff, so dass sein Gegner keine Zeit zum Atemholen blieb. Dass Linus zu Beginn vor lauter Angriffslust aus der Kampffläche trat und sich einen Shido einhandelte, brachte ihn nicht aus dem Konzept.  Nach einem Uchi-mata, aus dem der Gegner aussteigen konnte, setzte er mit Tai-otoshi mustergültig nach und erzielte einen Waza-ari. Nun machte Linus vielleicht seinen einzigen kleinen taktischen Fehler an diesem Tag, indem er weiter teilweise sehr riskant angriff und unbedingt den Ippon wollte. Denn sein Gegner hatte sich darauf eingestellt und versuchte, mit Tani-otoshi zum Erfolg zu kommen. Einer dieser Konter führte dann kurz vor Schluss auch zu einem Waza-ari mit anschließendem Haltegriff, aus dem Linus sich zum Glück  sofort wieder herauswinden konnte. Damit war der Punktestand ausgeglichen, denn auch Popp hatte zwischenzeitlich einen Shido für Passivität kassiert. Während der Gegner sich auf Golden Score einstellte, nahm Linus alle Kräfte für einen letzten Angriff zusammen – und hatte Erfolg! Mit dem Schlussgong gelang ihm ein links angesetzter Harai-goshi, für den es Waza-ari gab. Leider kam es danach zu unnötigen Diskussionen, weil die Tischbesetzung die Wertung für seinen Gegner anzeigte und der Kampfrichter den Überblick verloren hatte. Erst, als auch die sehr fairen Betreuer von Popp darauf hinwiesen, dass der Wurf von Linus gekommen war, wurde ihm der Sieg zugesprochen, für den es von allen Zuschauenden anerkennenden Applaus gab. Dass er sich dabei eine Zerrung im Nacken zuzog, konnte Linus verschmerzen, der nun in der U13 die Nummer eins seiner Gewichtsklasse in Baden-Württemberg ist.

Offene Baden-Württembergische EM U13 am 29. April in Pforzheim:

7.Plätze: Emma Gadesmann (-44)

               Amelie Auer (bis 44)

1.Platz: Linus Hollnagel (-43)