Wichtige Standortbestimmung

Starke Besetzung am bundesoffenen Sichtungsturnier.

 

Um am bundesoffenen Sichtungsturnier der U15 am 19. März in Backnang teilnehmen zu können, dafür nahmen Annabel Sigmund (bis 48), Fabienne Läufer (bis 52) und Lena Riegert (bis 57) Einiges auf sich.  Sie achteten diszipliniert auf ihre Gewicht (auch wenn es im Fall von Fabienne nicht mehr für die Kategorie bis 48 Kilo gereicht hat) und ließen sich auch von einer extrem frühen Abfahrtszeit und einer noch nachwirkenden Grippe (ebenfalls im Fall von Fabienne) nicht davon abhalten, diese Standortbestimmung vorzunehmen. Leider war es für Jennifer Piper, die sich beim Schulwettkampf „Jugend trainiert für Olympia“ am Mittwoch, 15. März, verletzt hatte, nicht möglich, in Backnang teilzunehmen.

In Backnang erwarteten unser Kämpferinnen sehr stark besetzte Gewichtsklassen mit Judoka fast aus dem gesamten Bundesgebiet, wobei vor allem der Verband Nordrhein-Westfalen zahlreich mit seinen Kaderathletinnen vertreten war. Den Kämpferinnen, den  begleitenden Eltern sowie Tina Hauert und Herbert Frey als Trainern war klar: Da war sehr konzentriertes Auftreten von der ersten Sekunde an gefordert. Klar war aber auch: Verstecken müssen sich unsere  Judoka mit Sicherheit nicht. Diese Einschätzung bestätigte sich dann auch schnell: Obwohl der Deutsche Judo Bund durch verschiedene Regeländerungen, durch die Abschaffung von Yuko sowie durch den Verzicht auf das Aufaddieren von Waza-ari  das technische Ipponjudo fördern wollte, gab er nur wenige wirklich spektakuläre, schelle Kampfentscheidungen durch einen Wurf. Anstelle von feinen Finten und geschmeidigen Kombinationen war leider viel zu oft ein aggressives, athletisches, verbissenes „Niederknüppeln“ zu sehen, wobei vielfach das Ausnutzen von Standbodenübergängen sowie Aktionen im Boden entscheidend waren. Vor allem verdrehte Sankaku-gatames wurden – speziell seitens der Kämpferinnen aus Nordrhein-Westfalen und Bayern –  überdurchschnittlich oft angewendet. Das technische Niveau im Stand war dagegen überschaubar, da befanden wir uns durchaus auf Augenhöhe. Wenn wir jetzt weiter an der Wettkampfhärte und am noch konsequenteren Durchziehen auch nicht perfekter Ansätze arbeiten, dann sind wir voll dabei.

Alle drei unserer Kämpferinnen standen als Nummer eins ganz oben auf ihren Listen und mussten in der ersten Runde auf Freilose verzichten. Als Erste war Annabel Sigmund an der Reihe, in deren Klasse bis 48 Kilo 29 Kämpferinnen am Start waren. Erste Gegnerin war Jana Iwanek vom Kader Nordrhein-Westfalen, bei der von Beginn an eine klare Strategie erkennbar war: Sie  war nur darauf aus, Annabel irgendwie in die Bodenlage zu zwingen, um dort ihre Stärken ausspielen zu können. Im Stand überließ sie Annabel zum Teil sogar die Initiative, die versuchte, mit ihren schnellen, links angesetzten Eindrehern zum Erfolg zu kommen. Eine Wertung konnte Annabel leider nicht erzielen, dafür kam es, wie von Iwanek offenbar beabsichtigt, immer öfter zum Bodenkampf, in dem sich die Nordrhein-Westfälin schließlich mit einem Haltegriff durchsetzte. Dieser Kampf machte exemplarisch deutlich, wie wichtig es sein kann, mit einer klaren Strategie auf die Matte zu gehen. Beeindruckend war, wie Annabel diese Niederlage verkraftete: Im Trostrundenkampf gegen die Esslingerin Yvonne Bellok legte sie noch eine Schippe drauf und nutzte  gleich ihre ersten Chancen zu Wertungen: Ihre Gegnerin setzte zweimal recht halbherzig zu Eindrehern an, die Annabel jeweils mit Tani otoshi konterte, für die sie zwei Waza-aris erhielt. Danach wurde die Esslingerin vorsichtiger, was ihr aber nichts nützte, denn Annabel ließ einen links angesetzten O-goishi mit anschließendem Haltegriff folgen. Ein  weiterer Waza-ari für den Wurf sowie ein Ippon für den Haltegriff beendeten den Kampf zu Annabels Gunsten. Mit Elif Ürker (NRW) wartete dann zwar eine gut ausrechenbare Gegnerin, die sich ganz auf ihren Seoi-nage verließ, die aber auch unangenehm zu kämpfen war, da sie einen unorthodoxen Kampfstil hatte. Nur das schnellere Erfassen der Situation bei einem eigentlich harmlos aussehenden Übergang vom Stand in den Boden gab schließlich den Ausschlag zu Ungunsten von Annabel: Ihre Gegnerin konnte sie in einen Haltegriff weiterdrücken und dann am Boden bis zur Ipponsirene festhalten.  Für die bravourös kämpfende Annabel bedeutete dies Rang neun.

Fabienne Läufer, von einer Grippe noch etwas geschwächt, verfehlte mit 400 Gramm das Limit von 48 Kilo und musste erstmals bis 52 Kilo  antreten. Hier hatte sie es zunächst mit Marie Gfrörer (JSV Tübingen) zu tun. Fabienne versuchte, erst einmal in den Kampf hineinzufinden, ohne dabei der Gegnerin das Feld zu überlassen und passiv zu sein. Das gelang ihr hervorragend, so dass sie immer öfter zu gefährlichen Wurfansätzen kam. Mehrmals boten sich Chancen, schnell von O-goshi oder Uki-goshi zu Ko-uchi- oder O-uchi-gari umzusteigen, die Fabienne aber nicht nutzte. Hier sah Tina Hauert noch Potential zur Verbesserung, beziehungsweise zur Automatisierung dieser Vor-Rück-Bewegung im Training. Am Boden entwickelte sich eine spannende Auseinandersetzung. Erst nach mehreren Versuchen gelang es der Tübingerin, Fabienne in einen Haltegriff zu nehmen und mit Ippon zu besiegen. Im Trostrundenkampf gegen Nicole Weiler (Ravensburg) ein ähnliches Bild, wobei diesmal aber ein Wurf der Gegnerin die Entscheidung brachte. Fabienne konnte zwar den Ippon vermeiden, aber nicht den an den Wurf anschließenden Haltegriff ihrer Gegnerin, aus dem sie dann nicht mehr entkam. Auch für Fabienne, in deren Gewichtsklasse 19 Teilnehmerinnen antraten, bedeutete dies Rang neun (die Platzierungen wurden nur bis Rang sieben ausgekämpft) und die Erkenntnis, dass es nicht an Technik,  wohl aber noch an Automatismen fehlt.

Lena Riegert hatte diszipliniert ihr Limit von 57 Kilo gehalten und eröffnete die Gewichtsklasse bis 57 Kilo (18 Starterinnen) gegen Lokalmatadorin Lea Angerer aus Backnang gewohnt energisch und mit viel Power. Im Stand hatte sie die Initiative, aber ihre Gegnerin ließ sie nicht an sich herankommen, so dass Lena immer öfter versuchte, mit ihren Fußfegern (vor allem mit O-uchi-gari) aus dr Distanz zum Erfolg zu kommen.  Leider wurde die unermüdlich arbeitende Lena auch durch Schiedsrichterentscheidungen (ein Shido für einen Nackengriff war noch nachvollziehbar, der zweite für angebliche Inaktivität nicht) etwas aus dem Konzept gebracht. Ihrer Gegnerin gelang es schließlich zweimal, die Ansätze von Lena auszunutzen und mit Konterfegern zwei Waza-aris zu erzielen. Diese Wertungen brachte die Backnangerin dann über die Zeit. Vielleicht wäre ein Strategiewechsel für Lena sinnvoll gewesen, etwa das Umschalten auf Eindreher oder auf einen Linksgriff. Aufgrund der starken Kumi kata ihrer Gegnerin war dies aber schwer. Lena verausgabte sich auch im Trostrundenkampf gegen Dana Keulertz (Kader NRW) total, aber leider vergeblich. Sie hatte es mit einer Bodenspezialistin zu tun, der schließlich ein Sankaku gatame gelang, bei dem sie Lena so stark verdrehte, dass sie sich eine Zerrung im Oberschenkel zuzog. Aus diesem ungewöhnlichen Haltegriff gab es jedenfalls kein Entrinnen. So musste auch Lena zwei Niederlagen hinnehmen. Aber auch sie hat alles andere als enttäuscht, auch wenn am Ende verständlicherweise ein paar Tränen flossen.

Bundesoffenes Sichtungsturnier U15 am 19. März in Backnang:

Annabel Sigmund (-48): 9.Platz

Fabienne Läufer (-52): 9. Platz

Lena Riegert (-57): 9.Platz