Leonie und Anka zeigen Biss 

Zwei Kämpferinnen bei der Süddeutschen Meisterschaft in Ingolstadt 

 

In der neuen Altersklasse U18  hängen, zumal im ersten Jahr, die Trauben höher. Das erkannten unsere Mädchen bei der Badischen Meisterschaft. Dass sie aber nicht unerreichbar sind, zeigten Leonie Karkoschka (-48) und Anka Koller (-57) am 12. Februar bei der Süddeutschen Meisterschaft in Ingolstadt (Bayern). Die beiden hatten sich als Einzige für diese zweithöchste nationale Wettkampfebene qualifiziert und steigerten sich im Vergleich zu den „Badischen“ nochmals deutlich. Beeindruckend war schon im Vorfeld die eiserne Disziplin, mit der die beiden auf ihr Gewicht achteten. Denn trotz einer verlockenden Speisekarte im Hotelrestaurant Pfeffermühle in Ingolstadt, in dem wir übernachteten, verzichteten beide auf ein Abendessen. Anka aß den gesamten Samstag über nichts, Leonie begnügte sich mit ein wenig Salat. Erst nach dem Wiegen am Sonntag in der Halle wurden die Frühstückbrötchen, die Cordula Karkoschka mitgenommen hatte, verzehrt. Nach intensivem Warmmachen ging es dann für Leonie Karkoschka in der 48 Kilo-Kategorie auch schon los. Sie ging mit der Marschroute in den Kampf, den ersten Angriff zu suchen und auf einen ihrer Spezialwürfe, nämlich den Ko-soto-gake, zu setzen. Gegen Saskia Hopfer, Bayerns Nummer drei vom JTC Sulzbach, setzte Leonie diese Strategie auch super um. Weil sie deutlich größer war als ihre Gegnerin, griff sie im Nacken und drehte sofort ein. Die Gegnerin zeigte die gewünschte Reaktion und wich aus. Noch in der Ausweichbewegung setzte Leonie dann ihren Ko-soto-gake an und hatte nach nur wenigen Sekunden bereits den ersten Waza-ari auf dem Konto. Danach blieb sie am Ball: Zwei weitere tolle Aktionen mit Einhängern gelangen ihr, wofür sie ebenfalls Waza-aris erhielt. Ihre Gegnerin, die überhaupt nicht in den Kampf fand, fiel schließlich auch noch Ippon, nachdem Leonie einen direkt angesetzten Ko-soto-gake durchbrachte. Das war ein mehr als überzeugender Auftakt. Mit Fiona Wagner vom TSB Ravensburg, der Dritten der Württembergischen Meisterschaft, folgte aber gleich die nächste starke Gegnerin, der sich Leonie schließlich nach hartem Kampf im Haltegriff geschlagen geben musste.  In der Trostrunde stand sie dann der starken Michelle Grüber vom ASV Eppelheim gegenüber. Wieder ergriff Leonie die Initiative und drehte ein, nachdem sie im Nacken ihrer Gegnerin greifen konnte. Diese setzte zwar einen Konter an, doch Leonie schaffte es, sich gegen ihre Kontrahentin zu drehen und mit ihrem rechten Fuß Ko-uchi-gari anzusetzen. Nachdem der Hauptkampfrichter dafür Waza-ari für Leonie gegeben hatte und die beiden Außenrichter dagegen waren, folgte der Gang zum Laptop, wo die Mattenrichter die Szene mit dem Hauptkampfrichter diskutierten. Die Folge: Der Waza-ari wurde zurückgenommen. Leonie bewahrte aber die Ruhe und blieb bei ihrem Konzept. Wieder kam es zu derselben Situation und wieder gab der Hauptkampfrichter Waza-ari für Leonie, was die beiden Außenrichter prompt wieder anders sahen. Erneut wurde Leonie die Wertung aberkannt. Ein drittes Mal passierte ihr dies aber nicht: Denn nun setzte sie gleich Ko-uchi-gari an und erzielte einen Waza-ari. Danach gelang Leonie ihr schönster Wurf in diesem Turnier, ein O-uchi-gari. Dass ihre Gegnerin danach kurz regungslos auf der Matte liegenblieb, zeigte, dass es dafür eigentlich Ippon hätte geben müssen. Doch es gab abermals Waza-ari. Leonie nahm ihre Gegnerin in den Haltegriff, den sie aus Rücksicht auf ihre Gegnerin, die verletzt zu sein schien, gleich wieder beenden wollte. Weil aber der Kampfrichter keine Anzeichen machte, den Kampf zu beenden, hielt sie ihre reglose Gegnerin noch bis zum Gong fest und hatte damit mit Ippon gewonnen. Mit Sarah Mehlau, der Württembergischen Vizemeisterin aus Winnenden, stand Leonie danach im Kampf um den Einzug ins kleine Finale erstmals einer Gegnerin gegenüber, die größer war als sie. Diesmal gelang es ihr nicht, die Erstinitiative zu ergreifen, so dass ihre Gegnerin gut in den Kampf kam und Leonie schließlich mit einer links angesetzten Eindrehtechnik werfen konnte. Rang sieben und eine ausgeglichene Kampfbilanz waren aber ein Ergebnis, auf das Leonie stolz sein konnte. 

Anka Koller hatte es gleich im ersten Kampf mit der aggressiven und offensiven späteren Siegerin Manuela Schmidt aus Eichstätt zu tun, der sie nur am Anfang Paroli bieten konnte. Einem Uchi-mata mit Nachhüpfen, den ihre Gegnerin konsequent durchzog, konnte Anka schließlich nichts mehr entgegensetzen, so dass sie den ersten Kampf mit Ippon verlor. Entmutigen ließ sie sich davon aber nicht, sondern ging auch im ersten Trostrundenkampf gegen Luisa Martin, Württembergs Nummer drei aus Esslingen, beherzt zu Werke. Wiederholt brachte  Anka ihre Gegnerin in Bedrängnis, doch dem Gleichgewichtsbruch folgte nicht der entscheidende Wurf. Doch immerhin schaffte sie es, ihre Gegnerin zu Boden zu bringen, wenn auch ohne Wertung. Ihren Versuch, am Boden dann einen Würger anzusetzen, unterband der Kampfrichter jedoch, wobei nicht ganz klar war, warum. Doch je länger der Kampf dauerte, je stärker merkte man, dass das Gewichthalten Anka doch etwas Substanz gekostet hatte. Als sich ihre Gegnerin auf ihre Stärke, einen  tief angesetzten Seoi-nage besann, wurde es für Anka schließlich immer enger. Nach dem ersten erfolgreichen Seoi-nage ihrer Gegnerin, die dafür Waza-ari bekam, konnte Anka einen Haltegriff noch vermeiden.  Der nächste Seoi-nage war dann aber der entscheidende: Ihre Gegnerin warf Anka auf den Rücken und ging sofort in einen Haltegriff über. Weil es statt des durchaus möglich Ippon nur Waza-ari gab, hatte Anka zwar noch die Chance, eine Befreiung zu versuchen, doch alle Anstrengungen nutzten nichts, so dass die Esslingerin per Haltegriff zum Ippon kam und Anka damit aus dem Turnier warf. Aber auch sie konnte erhobenen Hauptes und mit Rang neun die Rückfahrt antreten. Unsere beiden Judoka feierten einen tollen Einstand in der neuen Altersklasse, in der sie noch zwei weitere Jahre starten können.  

Süddeutsche EM U18 am 12. Februar in Ingolstadt:

  1. Platz:Leonie Karkoschka (-48)
  2. Platz:Anka Koller (-57)