Die Trauben hängen höher

Bei der Badischen Einzelmeisterschaft unserer U18 gab's sogar ne Medaille für uns!

 

Mit Elan und Selbstbewusstsein fuhren Florian Sigmund, Luca Schwiening, Leonie Karkoschka, Hannah Pfahler und Anka Koller am Samstag, 28. Januar, zur Badischen Einzelmeistershaft der U18 nach Pforzheim. Nur Florian verfügte bereits über Erfahrung in dieser Altersklasse, die anderen kämpften vergangenes Jahr alle noch erfolgreich in der U15 und traten nun erstmals in der nächsthöheren Altersklasse an, die drei Jahrgänge umfasst. Hier sind die Starterfelder meist kleiner, aber diejenigen, die dabei bleiben, sind kampferprobt, ehrgeizig und rechnen sich auch Erfolgschancen aus.

Als Erste erfuhr Leonie Karkoschka, dass  ohne aggressiven Biss von der ersten Sekunde an kaum Wertungen zu erzielen sind. Und Leonie nahm in der Klasse bis 48 Kilo, in der sechs Kämpferinnen in zwei Dreiergruppen starteten, die Herausforderung an und hielt im ersten Kampf gegen Sarah Kippler (Bruchhausen) gleich voll dagegen. Dennoch kam ihre Gegnerin besser in den Kampf und erzielte zwei Waza-aris, die nach der neuen Regelung, die in der U18 angewendet wurde, sich nicht mehr zu einem Ippon aufaddieren. Also hatte Leonie die Möglichkeit, noch aufzuholen. Sie investierte noch mehr und schaffte auch mit einem tollen Ko-soto-gake (äußeres Einhängen) noch einen Waza-ari, der im ersten Moment wie ein Ippon aussah. Im Nachhinein zeigten aber die Filmaufnahmen, dass ihre Gegnerin zuerst auf die Hüfte und dann auf den Rücken fiel, weshalb der Waza-ari gerechtfertigt war. Leider reichte dann die Zeit nicht mehr, um den Ausgleich zu erzwingen. Trotzdem war das ein guter Start für Leonie in die neue Altersklasse. Allerdings war die Zuversicht im zweiten Kampf gegen die spätere Siegerin Jadzia Münch aus Marbach schnell verflogen. Diese demonstrierte, dass trotz der Regeländerung immer noch taktisch gekämpft werden kann. Nachdem sie mit Waza-ari in Führung gegangen war, zwang die erfahrene Marbacherin Leonie drei Shidos auf, indem sie sie aus der Kampffläche drückte. Diese drei Shidos bedeuteten nach der neuen Regelung  die Disqualifikation mit Hansoku-make und damit die Niederlage. Damit war Leonie Dritte in ihrem Pool und musste gegen die Dritte des anderen Pools, Celine Fraß aus Bruchhausen, in den Qualifikationskampf für die Süddeutschen. Hier trumpfte Leonie auf. Als ihre Gegnerin in der Bauchlage verteidigte, gelang ihr ein toller Umdreher, an den sie einen Tate-shiho-gatame anschließen konnte. In diesem Haltegriff hielt sie ihre Gegnerin 20 Sekunden lang und gewann damit mit Ippon.

Hannah Pfahler hatte es in der 52-Kilo-Klasse ebenfalls mit fünf Gegnerinnen zu tun. Im ersten Duell gegen Lisa Obergföll von BC Karlsruhe nutzte sie ihre Chancen, selbst anzugreifen, etwas zu zaghaft. Biss und Einsatz waren aber vorhanden, so dass sie für die Karlsruherin stets gefährlich blieb. Nach mehreren gescheiterten Versuchen kam ihre Gegnerin schließlich mit einem Koshi-guruma durch. Nach dem Wurf geriet Hannah in einen Haltegriff, aus dem es dann leider kein Entrinnen mehr gab. Mit Annabelle Krauß aus Eppelheim wartete gleich die nächste starke Gegnerin auf Hannah, der sie couragiert Paroli bot. Eine Unachtsamkeit kostete sie dann aber den möglichen Sieg: Nach einem De-ashi-barai-Ansatz ihrer Gegnerin konnte sie sich nicht mehr auf den Beinen halten und verlor mit Ippon. Nun stand auch für Hannah der Qualifikationskampf für die Süddeutschen auf dem Programm, in dem sie gegen Lea Koch aus Villingen lange wie die klare Siegerin aussah. Sie dominierte den Kampf, ging mit Waza-ari für Seoi-otoshi in Führung und griff weiter beherzt an. Ihre Gegnerin lauerte aber auf ihre Chance, die sie zweimal für einen Waza-ari nutzte und damit Hannah doch noch eine Niederlage beibrachte.

Mit drei Gegnerinnen, die allesamt sehr erfahren wirkten, hatte es Anka Koller in der Klasse bis 57 Kilo zu tun. Den Auftaktkampf konnte Anka gegen Hannah Frey (Bruchhausen) ausgeglichen gestalten. Dann aber ging es in die Bodenlage, in der sich die quirlige Gegnerin durchsetzte und Anka in einen Haltegriff nahm. Mit einem Kraftakt schaffte Anka die Befreiung, nach der ihr die Gegnerin aber keine Verschnaufpause gönnte, so dass ihr gleich der nächste Haltegriff gelang, aus dem sich Anka dann nicht mehr befreien konnte. Marie Biller aus Überlingen war die nächste Gegnerin, die auf Anka wartete, die zwar erneut alles versuchte, aber nicht richtig zur Entfaltung kam. Ein O-goshi wurde Anka schließlich zum Verhängnis: Sie konnte den Ippon zwar vermeiden, aber nicht den anschließenden Haltegriff ihrer Gegnerin. Letztlich waren die Befreiungsversuche Ankas vergebens. Als Letzte stand Anka dann Flora Stokaj aus Mosbach gegenüber, deren blitzschnellem Ashi-guruma sie nicht ausweichen konnte, für den ihre Gegnerin Ippon erhielt. Trotz der drei Niederlagen hat sich Anka gegen starke Konkurrenz gut verkauft, wie auch unsere Trainerin Tina Hauert befand. Auch Hannah und Leonie schlugen sich achtbar. Gleichwohl wünschte sich  Tina noch etwas mehr Angriffsgeist, vor allem ein schnelleres Angreifen nach der Kumikata. „Ihr dürft nicht warten, bis die Gegnerin etwas macht“, forderte sie.

Florian Sigmund, dessen Klasse bis 66 Kilo mit zwölf Kämpfern besetzt war, versuchte die Vorgabe von Tina umzusetzen und legte sich im ersten Kampf gegen Lucas Albrecht aus Singen gleich mächtig ins Zeug. Sein Angriffsgeist und die damit verbundene Risikobereitschaft wurden auch belohnt: Mit Harai-goshi holte Florian den Singener von den Beinen, den er am Boden gleich in den Haltegriff nahm und bis zum Ippon-Gong festhielt. Das war ein toller Auftakt, dem dann aber im zweiten Kampf gegen den starken Stefan Müller (BC Karlsruhe) leider die Ernüchterung folgte. Aber auch hier war Florian offensiv, Müller gelang aber die entscheidende Wertung mit einem Konter. Den spektakulärsten Kampf lieferte Florian dann in der Trostrunde gegen Luca Borrochino vom JC Ettlingen. Nach einer ersten Kampfhälfte, in der sich beide Judoka praktisch gegenseitig neutralisiert hatten, setzte Florian unvermittelt einen rasanten Fußfeger an, der seinen Gegner von den Beinen holte und auf den Rücken fallen ließ. Ippon war der Lohn für diese Mischung aus Sasae-tsuri-komi-ashi und De-ashi-barai. Im Kampf um den Einzug ins kleine Finale wartete mit Schwarzgurtträger Tim Henze aus Hemsbach dann ein schwerer Brocken, der die schnelle Entscheidung suchte. Trotz ungestümer Angriff kam Henze aber mit seinen Ansätzen nicht so recht durch. Ein eigener Konteransatz führte dann zur Niederlage von Florian, denn Henze konnte sich gegen ihn drehen, so dass Florian auf den Rücken fiel und Ippon gegen sich bekam. Eine ausgeglichene Bilanz und ein siebter Rang war in diesem Klassefeld aber ein tolles Resultat.

Voll überzeugt hat Luca Schwiening, obwohl er das Limit von 66 Kilo knapp nicht mehr schaffte und somit in der mit 15 Kämpfern am stärksten besetzten Klasse bis 73 Kilo antreten musste. Zu allem Unglück verlor Luca auch noch den Auftaktkampf gegen Gelbgurtträger  Simon Quadt von PS Karlsruhe im Haltegriff. Danach riss er sich aber zusammen und landete eine tolle Serie mit drei Ipponsiegen gegen Tim Weber (JSV Würm), Florian Weinmann (Angelbachtal) und Jonathan Heil (Singen). Während er seinen ersten Gegner mit einem fulminanten Harai-goshi ausschaltete, brachten ihn im zweiten Kampf Fußtechniken auf die Siegerstraße. Den zweiten Kampf beendete jedoch bei Führung von Luca der Kamfprichter, indem er seinem Gegner Hansoku-make gab, weil dieser angeblich im Stand Waki-gatame angesetzt hatte. Wirklich zu sehen war dies vom Mattenrand aus nicht.  Dadurch sparte Luca aber etwas Kraft, die er dann für seinen dritten Trostrundengegner auch benötigte. Erst nach verbissenem Hin und Her gelang Luca ein Soto-maki-kome mit anschließendem Haltegriff. Dass er dann relativ schnell wieder zum kleinen Finale um Platz drei gegen Christopher Burkhardt (Sinzheim) antreten musste, war ein Nachteil.  Denn schnell lag Luca mit zwei Waza-aris hinten, die er dann aufzuholen versuchte, indem er das Tempo nochmals anzog.  Es reichte auch noch zu einem Waza-ari für einen Eindreher, dann aber war die Zeit abgelaufen und die Bronzemedaille verloren. Leider blieb erneut wenig Verschnaufzeit   bis zum Qualifikationskampf um einen Startplatz bei der Süddeutschen, in dem Luca Schwarzgurtträger Balasz Goda von den gastgebenden Judofreunden Pforzheim gegenüberstand. Luca fightete bravourös und ließ sich auch durch einige fragwürdige Kampfrichterentscheidungen nicht aus dem Konzept bringen. So ließen die Kampfrichter einen  Waza-ari, den sein Gegner deutlich nach dem Kommando „Mate“ erzielt hatte, gelten. Die später nachgelieferte Erklärung, dass das Trennkommando keiner der beiden gehört habe, konnte nur wenig überzeugen. Da  dieser Waza-ari aber nicht entscheidend war, weil der Pforzheimer einen weiteren Waza-ari auf seinem Konto hatte und Luca zudem eine Strafe kassiert hatte, verzichteten wir auf deinen Protest. Rang fünf blieb Luca aber erhalten, leider allerdings ohne Qualifikation.

Badische EM U18 am 28. Januar in Pforzheim:

Leonie Karkoschka (-48):  5. Platz mit Qualifikation

Hannah Pfahler (-52):       5. Platz ohne Qualifikation

Anka Koller (-57):              3. Platz

Florian Sigmund (-66):      7. Platz

Luca Schwiening _(-73):   5. Platz ohne Qualifikation